Sven Ehmann

Geführt von: 
Arne Sonnabend

Sven Ehmann, 1973 in Berlin geboren, absolvierte eine Ausbildung zum Fotografen und studierte Nordamerikastudien, Filmwissenschaft und Publizistik an der Freien Universität Berlin. Nach einer Zeit als Konzepter für neue Medien bei Agenturen wie Pixelpark und Metadesign arbeitet er jetzt als freier Kreativdirektor, Konzepter und Publizist an Publikationen und Ausstellungen. Außerdem betreibt er die unabhängige Verlagsplattform etc publications.

Wie bist du dazu gekommen Buchkonzepter zu werden?

Da gibt es zwei Ausgangspunkte. Meine persönliche Leidenschaft einerseits und zum anderen eine Art professioneller Zufall. Die Geschichte der Leidenschaft beginnt irgendwo in Kindertagen. Ich bekam viel vorgelesen, dann später las ich selbst unter der Bettdecke mit der Taschenlampe und irgendwann sammelte ich schließlich Bücher und Magazine. Ich hatte schon immer zu wenig Platz für die Bücher die, ich eigentlich haben wollte, mit denen ich leben wollte und die ich gerne um mich herum hatte. Gleichermaßen das Interesse am Lesen, also Literatur, Fachliteratur und Lyrik und auch das Anschauen von Bildbänden und Büchern als Objekte war schon relativ früh ausgeprägt. Ich weiß nicht, woher es kam, aber ich hatte schon zu Schulzeiten Interesse an Design und habe mir 1986 ein Designjahrbuch gekauft. Ich habe eine Ausbildung zum Fotografen gemacht, da kamen dann noch Fotobücher dazu. Zum einen solche, die man kauft, weil der Inhalt eine Relevanz hat und zum anderen jene, deren Druck, Aufbereitung und Präsentation irgendwie besonders waren.
Ich hatte einfach Interesse am Papier und habe ohne Ende Magazine gesammelt und diese studiert. Früher habe ich das einzelne Magazin intensiv gelesen und durchdrungen, heute muss ich Bilder sehr viel schneller verarbeiten - wie wir alle. In meinem Job ist das dann noch ein Stück extremer. Aber die Leidenschaft ist geblieben. Zwischendurch gab es Momente, in denen ich vor einem Umzug Bücher aussortiert habe, Bücher von denen ich dachte, sie müssten nicht in meinem Regal stehen und an ihnen hinge ich nicht, Bücher die ich dann verkauft habe. Es gab auch Momente in denen ich dachte, ich müsste meine Sammlung an Bildbänden aus Platzgründen reduzieren, aber solche Gedanken haben sich nie sehr lange gehalten.

Was genau meint der von dir genannte "professionelle Zufall"?

Ich habe im Grunde immer mit Medien gearbeitet, dies aber sehr unterschiedlich. Ich konnte mich zunächst für keinen Studiengang entscheiden und habe daher eine Ausbildung zum Fotografen gemacht. Ich war Fotograf, Journalist, Foto-Assistent und bin dann in eine Multimedia-Agentur gewechselt. Dort habe ich eine lange Zeit Konzepte für digitale Medien geschrieben, alles aber immer sozusagen "fest-frei". Richtig frei gearbeitet habe ich dann in einer kleinen Galerie mit Bürogemeinschaft, in der wir Ausstellungen kuratiert und produziert haben.
Während meiner Zeit in der Multimedia-Agentur begann ich mein Studium, stellte aber nach dem Grundstudium fest, dass ich mich auch aus Zeitgründen entscheiden musste, was ich wirklich tun will. Es war auch einfach absurd für das Studium Referate vorzubereiten und gleichzeitig für die Agentur Vorstandspräsentationen. Was sich anfangs noch befruchtete, funktionierte irgendwann nicht mehr und ich brach mein Studium ab. In meiner Zeit als Freiberufler habe ich eine Ausstellung über Turnschuhe kuratiert und produziert und letztlich dann auch mit einem Innenarchitekten zusammen gestaltet. Den dazugehörigen Katalog wollten wir bei GESTALTEN machen. Er wurde zwar abgelehnt, aber ich kam mit dem Verleger Robert Klanten in Kontakt und wurde letztlich freier Mitarbeiter bei GESTALTEN. Mittlerweile ist es so, dass ich die meiste Zeit dort bin, ich halte aber auch regelmäßig Workshops an Hochschulen, mache kleinere Ausstellungsprojekte oder schreibe Texte und Konzepte. Eine längere Zeit in einem Beruf bringt halt auch immer mehr Verantwortung mit sich. Diese Kontraste sind es, was ich an dem Job bei GESTALTEN am allermeisten schätze.

Der GESTALTEN-Verlag hat auf der Buchmesse in Frankfurt 2011 einen sehr großen, gestandenen Messestand. Nebenan tummeln sich immer mehr Independent-Verlage. Wie steht GESTALTEN dazu?

Wir haben ganz genauso begonnen: Zu einer Zeit in der das Bücher machen, mit all den Kenntnissen und Werkzeugen, die man benötigte, gerade leichter und bezahlbarer wurde. Insofern besteht eine sehr hohe Sympathie für Leute, die aus Leidenschaft Bücher machen. Aus unserer 15-jährigen Erfahrung heraus wissen wir aber auch, dass es schwierig ist mit Büchern zu überleben, die mehr aus Leidenschaft als aus betriebswirtschaftlichem Verständnis heraus entstehen. Das ist bei der Menge an Verlagsneugründungen, die derzeit zu beobachten ist, spannend oder auch tragisch, da es in ein oder zwei Jahren viele nicht mehr geben wird. Aus einer buchkulturellen Perspektive gesehen, ist jeder Beitrag natürlich super, aber viele Leute steigen leider mit zu großen Illusionen ein. Daher frage ich mich, ob die Hochschulen nicht mehr vermitteln müssten, dass es um einen Markt geht. Das kann ja auch ein Markt von 100 Leuten sein die 1000 Euro für ein Buch ausgeben, aber das Gefühl für ein Produkt zu entwickeln – nicht nur für ein Objekt oder Kunstwerk – hilft dabei, bessere Bücher zu machen.