Edition Krill

Geführt von: 
Arne Sonnabend

Virgil Guggenberger und Wolfgang Gosch gründeten 2007 in Wien den kleinen Verlag Edition Krill. Die beiden haben zusammen in Graz »Informations-Design« studiert und sind unabhängig voneinander nach Wien gezogen. Neben der Verlagsarbeit ist Virgil seit 2004 als freier Texter, Konzepter und Lektor tätig. Wolfgang arbeitet als freischaffender Grafiker. Die Bücher, die in ihrem kleinen Verlag entstehen, bewegen sich thematisch und inhaltlich in den verschiedensten Buchgenres. Was alle ihre Bücher verbindet, ist deren jeweilige spezielle Verschränkung von Form und Inhalt.

Ihr seid ein junger Verlag. Wie ist die Idee entstanden, Euch zu gründen?

Bei mir gab es immer schon die beiden Interessensbereiche Buch und Gestaltung, beides zunächst ganz unabhängig voneinander. In weitere Folge musste aber zwangsläufig das Eine zum Anderen finden und daraus entstand der Wunsch, Bücher zu entwickeln, zu gestalten und zu publizieren. Wichtig war mir dabei, dass die Bücher aus ganz unterschiedlichen Genres kommen sollten und inhaltlich freilich das eigene Interesse wecken, nähren und widerspiegeln.

Uns ist es bei der Gründung des Verlags auch darum gegangen, zu überlegen, was ein Buch alles sein kann. Genau mit diesem Wunsch haben Wolfgang und ich schließlich beschlossen, einen Verlag zu gründen. Wenn sich im Kopf eine gewisse Vorstellung verfestigt und der Plan vom eigenen Verlag sich immer mehr in den Vordergrund drängt, dann sollte man diesem auch eine Chance geben und ihn realisieren. Zudem hat man bei einem Verlagsprogramm, das keine Hunderte Bücher umfasst, die Möglichkeit, selbst zu bestimmen, was es in der Welt an Büchern gibt oder was man in die Welt rufen möchte. Also tatsächlich die Idee, das Thema Buch über einen Verlag persönlich zu beeinflussen.

Eine Frage zu Eurem Namen: Wo kommt »Krill« her?

Es gibt eine kleine Gründungsgeschichte, eine kleine Gründungslegende, wie es sie zu den meisten Namen gibt: Wir haben uns eines Tages zusammengesetzt und beschlossen, Bücher zu machen. Irgendwann kamen wir an den Punkt, an dem wir uns fragten, wie diese Verlagsunternehmung denn heißen soll. Im Endeffekt wurde daraus ein sehr langer Abend, an dem wir uns sehr viele Namen und Bedeutungen zugeworfen haben, aber mit keinem richtig glücklich waren. Kurz vor Aufbruch, während wir beide gesagt haben »Na gut, was soll's, neuer Abend, neuer Name, wir werden schon etwas finden«, kam aus irgendeinem Winkel im Oberstübchen die Idee, die Sache einfach »Krill« zu nennen. Wie das Wort im Raum stand und wir es beide im Hirn zerkauten, was alles in dem Namen mitschwingt und mitgeht, ist uns bewusst geworden, dass dieser Geistesblitz ein ziemlicher Volltreffer war! Der Krill schien uns als etwas überaus Vielfältiges, Großes. Eine Wolke im Meer, die vor sich her gondelt und gleichzeitig aus vielen Details und kleinen Tierchen besteht. Wir stellten uns vor, wie wir als Wal durch diese Details hindurchschwimmen und sozusagen das Gute und Leckere für uns herausfiltern. Wir haben gemerkt, dass es das ganz gut trifft. Und es trifft auch den Aspekt ganz gut, dass man sich selbst nicht so bestialisch ernst nimmt. Wir wollen mit dem Namen kein schweres konzeptionelles Gerüst um das Projekt bauen. Es geht vielmehr darum, mit der Sache ein bisschen Spaß zu haben. Auf einmal hat uns Krill, vor allem mit der ganzen maritimen Bildwelt, die daran hängt, überzeugt. Der Name erwies sich hinsichtlich aller weiteren aufgeworfenen Fragen durch die Spannbreite an möglichen Assoziationen als sehr vielseitig. Auf der Webseite sieht man an den Vignetten oder den textlichen Anleihen, dass uns das Maritime sehr willkommen ist.

Und warum Edition und nicht Verlag?

Edition schon aus der Liebe zum Detail. Wir sind kein Verlag, der Bücher mit einer bestimmten Linie macht. Das Wort Edition hat für uns eher den Charakter des speziellen, einzelnen Herausgreifens. Wir sehen uns als Editierende von Büchern. Es hat einen größeren aktiven Charakter, das Editieren fühlt sich einfach aktiver an als das Verlegen. Der Verleger muss einen gewissen Abstand zu den Dingen haben, als Editor des Verlags kann und möchte ich mich gerne einmischen.

Wann habt Ihr euch gegründet? 2008 ist die Erstauflage von »Unter vielen« erschienen.

Etwa ein Jahr davor, im Juni 2007, haben wir uns per Handschlag darauf geeinigt, den Verlag von der Idee in die Realität zu setzen. Im Herbst 2007 hat die Edition Krill schließlich begonnen, tatsächlich zu existieren, konkret mit der Freischaltung der Verlags-Webseite. Dort haben wir auch eine wöchentlich von uns bespielte Kolumne untergebracht, um uns selbst kontinuierlich bei der Sache zu halten.