Fliegende Teilchen

Geführt von: 
Arne Sonnabend

Annette Stahmer und André Heers führen das Büro ‚fliegende Teilchen‘ mit Sitz in Berlin. Beide studierten zunächst an der Muthesius Kunsthochschule in Kiel. Annette Stahmer ging danach an die Jan van Eyck Academie nach Maastricht, um an einem künstlerischen Forschungsprojekt zur Beziehung von Stimme und Schrift zu arbeiten, während André Heers seinen Master in Type and Media an der Kunsthochschule in Den Haag absolvierte und dann für drei Jahre nach Lissabon zog. Seit 2007 sind beide in Berlin und arbeiten dort vorwiegend für Kunden aus dem kulturellen Bereich. Ihr Schwerpunkt liegt in der Gestaltung von Künstlerpublikationen. Seit 2009 teilen sie sich die Professur für Typografie und Gestaltung an der Muthesius Kunsthochschule in Kiel.

Ihr habt 1999 Euer Büro ,fliegende Teilchen‘ gegründet. Wie kam es dazu und woher kommt der Name?

André Heers: Schon während des Studiums in Kiel haben wir begonnen, verschiedene Designaufträge zu übernehmen und daran gemeinsam zu arbeiten. Dabei haben wir festgestellt, dass wir zu zweit diese Aufgaben wesentlich besser lösen konnten, als das allein der Fall gewesen wäre. Wir haben beide einen anderen Schwerpunkt und ergänzen uns dadurch sehr gut. Eines Tages haben wir einen Aufkleber gesehen, auf dem ‚Warnung vor fliegenden Teilchen‘ stand. Das hat uns gefallen und so ist unser Name entstanden.

Wo war dieser Aufkleber und was war das für eine Warnung?

Annette Stahmer: Dieser Aufkleber befand sich auf einer Maschine in einer Druckerei und warnte vor herumfliegenden kleinen Teilchen. Eine Art Industrieaufkleber für bestimmte Produktionsprozesse, bei denen winzige Partikelchen durch den Raum fliegen, vor denen man seine Augen schützen sollte. Der Aufkleber kann bestellt werden, er klebt jetzt bei uns an der Tür unseres Büros!

André Heers: Wir fanden damals, dass dieser Name gut passte, da wir viel Detailtypografie machen und kleinen Teilchen für uns eine große Rolle spielen.

Ihr habt zwischenzeitlich an unterschiedlichen Orten studiert. Wie hat das geklappt? Habt ihr weiterhin gut zusammen arbeiten können?

Annette Stahmer: Wir sind nach der Zeit an der Muthesius Kunsthochschule beide in die Niederlande gegangen. Ich war für zwei Jahre an der Jan van Eyck Akademie in Maastricht und André hat in Den Haag an der Koninklijke Academie van Beeldende Kunsten studiert. Wir haben unser Büro in der Zeit weitergeführt, aber die Arbeit etwas reduziert. Ich habe viele freie Projekte gemacht und André hat sich mit Schriftgestaltung beschäftigt. Er ist dann für drei Jahre nach Lissabon gezogen und ich nach Berlin. Wir haben das gemeinsame Büro aber immer beibehalten. Seit 2007 sind wir nun beide in Berlin und seitdem ist unsere Zusammenarbeit wieder intensiver geworden.

Eure Homepage erweckt den Eindruck, ihr wärt ein Wanderbüro, das von Stadt zu Stadt zieht. Geht es weiter und ist schon etwas in Planung, oder ist Berlin erst mal das Ende?

André Heers: Wir sind erst einmal sesshaft geworden.

Annette Stahmer: Durch die Professur, die wir uns an der Muthesius Kunsthochschule teilen, gibt es ein ständiges Reisen zwischen Berlin und Kiel. Als Professor kann man aber nach sieben Semestern ein Forschungsfreisemester beantragen, ich könnte mir schon vorstellen, dass wir das machen. Ich zumindest würde gerne für ein halbes Jahr nach England gehen.

Wie verläuft die Zusammenarbeit mit den Verlegern? Kommen die zu euch, wenn ein Buch produziert werden soll, oder tretet ihr mit Projekten an sie heran?

Annette Stahmer: Meistens ist es so, dass die Künstler direkt zu uns kommen, die Galerien oder Institutionen, z.B. die Freie Universität in Berlin oder die Akademie der Künste. In Zusammenarbeit mit Verlagen wird dann das Buch veröffentlicht.

War das schon immer so?

Annette Stahmer: Früher haben wir regelmäßig für die Büchergilde oder den Brockhaus gearbeitet. Diese Aufträge kamen direkt von den Verlagen.

Es hat sich mit der Zeit also gewandelt?

Annette Stahmer: Wir haben unseren Schwerpunkt auf Künstlerpublikationen oder Publikationen für kulturelle Institutionen wie Galerien, Museen oder Universitäten gelegt, da diese Arbeiten uns gestalterisch mehr herausfordern.

Und wie findet die Zusammenarbeit mit den Kunden / Künstlern bei euch statt?

Annette Stahmer: Diese Kunden – Künstler, Kunsthistoriker, Theaterwissenschaftler etc. – sind uns sehr nahe, da wir selber an den Randbereichen experimentieren und interdisziplinäre Projekte machen. Es sind auch Menschen, die sehr viel Sinn für das Visuelle und das Detail haben.

André Heers: Man könnte es als horizontale Kommunikation bezeichnen. Das heisst, wir müssen nicht hoch- oder runterschauen, sondern man begegnet sich auf einer Ebene mit Menschen, die eine hohe Sensibilität haben und schnell merken, wenn etwas interessant ist oder vielleicht sogar, wenn noch ,mehr‘ möglich wäre. Das ist für uns sehr angenehm, weil wir uns in der Kommunikation in keiner Form verstellen müssen.

Wie viele Bücher macht ihr jährlich?

Annette Stahmer: Inzwischen machen wir aufgrund unserer Lehrtätigkeit weniger, vielleicht etwa zehn Bücher pro Jahr.

André Heers: Das kommt darauf an, ob es sich um komplexe oder weniger komplexe Buchprojekte handelt. Es gibt Buchprojekte, die direkt von größeren Erscheinungsbildern abhängig sind. Wenn wir beispielsweise ein Symposium ausstatten, dann erstellen wir Karten, Flyer, Plakate und das generelle Erscheinungsbild. Der anschließende Symposiumsband ist dann ein Teil des Gesamtprojektes. Es ist nicht so, dass hier nur Bücher entstehen, sondern auch Erscheinungsbilder und vielfältige Sachen.

Wie hält sich das die Waage? Auf eurer Homepage stellt ihr euch sehr bücherlastig dar, ist das euer Schwerpunkt?

Annette Stahmer: Ja, auf jeden Fall.

André Heers: Es ist auch so, dass die Bücher die längste Produktionszeit haben. Daher ist der Stolz darauf am größten und man zeigt die Bücher dementsprechend gern.

Wie geht ihr konkret bei eurer Arbeit vor?

André Heers: Meistens beginnt das Projekt mit einem Gespräch. Wir haben vorne einen sehr großen, lichtdurchfluteten Raum auf zwei Ebenen, in dem man gut arbeiten kann. In einem Hinterzimmer befinden sich Bücherregale und ein großes Sofa, auf dem man sich gut miteinander unterhalten kann. Bei Kaffee und Keksen sitzt man zusammen, tauscht sich aus und versucht zu erfühlen, auf welcher Basis man sich da eigentlich trifft. Diese Erstgespräche mit dem Kunden dauern eher etwas länger.

Annette Stahmer: Wir versuchen, gemeinsam eine Vision zu entwickeln. Das kann man schwer beschreiben, denn wir wissen zu dem Zeitpunkt noch nichts Konkretes. Es geht auch darum, verschiedene Fragen zu klären, wie bspw. was ist überhaupt möglich? Welche Gelder gibt es? Was ist das Thema? Was würde dazu passen?
Kürzlich hat ein Student aus Mainz gefragt, wie das Briefing bei uns abläuft und da habe ich gedacht: das Wort ,Briefing‘ ist bei uns noch nie gefallen! Weil wir gemeinsam mit dem Kunden überlegen, was für ihn Sinn macht, ob es bspw. wirklich ein Buch sein muss oder ob vielleicht ein Plakat oder eine Postkarte für den Zweck besser geeignet wäre. Wir besprechen auch, ob dieses Druckprodukt mit dem gegebenen Budget, das ja im Kulturbereich meistens ziemlich klein ist, überhaupt möglich ist.
In der nächsten Phase überlegen wir gemeinsam, wie das Buch oder das Plakat aussehen könnte, was für einen Charakter es bekommen soll. Ist es ein Buch, so fangen wir meist mit dem Buchkörper an und überlegen, ob es vielleicht ein kleines Hardcover-Buch sein könnte oder ein große flexible Broschur und wie dieser Körper sich anfühlen muss, ob er matt ist oder glänzend, leinenbezogen, geprägt etc. Anschließend gehen wir an die Typografie und entwickeln die Gestaltung.

Ihr arbeitet sehr experimentell an Büchern – auch in Kiel mit euren Studenten zusammen. Bastelt und klebt ihr auch viel oder macht ihr überwiegend Rechnerarbeit?

Annette Stahmer: Also basteln eigentlich nicht unbedingt, aber ich sammle manchmal Bücher, z.B. Groschenromane, weil sie unglaublich leicht sind, oder Hefte und Broschüren aus dem Gebrauchsbereich, was oft inspirierender ist als aus dem Designbereich, weil sie Anreize zu neuen Kombinationsmöglichkeiten liefern. Ich bin eine ausgesprochene Papierfetischistin, mir ist die Haptik sehr wichtig. Ich habe viele Papierwaren aus verschiedenen Kulturen gesammelt und bin immer auf der Suche nach interessanten Papieren bei den deutschen Papierherstellern. Leider vermisse ich da das reichhaltige Angebot an Gebrauchspapieren, das ich aus Holland kenne.

Wie definiert ihr den Buchkörper?

Annette Stahmer: Der Begriff ,Buchkörper‘ umfasst alle körperlichen Eigenschaften, die ein Buch hat. Dazu gehört die Größe und das Gewicht des Buchkörpers, seine Materialien, seine Formen und Farben und auch der Aufbau des Buches, also seine verschiedenen Schichten. Dazu die verschiedenen sinnlichen Eigenschaften, denn so wie der menschliche Körper, kann auch der Buchkörper nicht nur gesehen, sondern auch gefühlt, gerochen und gehört werden.
Es gibt sogar eine doppelte akustische Ebene: zunächst durch den Körper an sich, das Knacken des Papiers beim Öffnen, das Rauschen der Seiten usw. Und dann gibt es ja auch noch diese Stimme, die aus dem Buch spricht. Deine innere Lesestimme, die aber durch die Typografie mitgeformt wird. Ich würde auch die Typografie zu dem Buchkörper zählen.

André Heers: Der Körper des Buches ist nicht nur der Träger des Inhalts. Wenn man anfängt, einen Text zu lesen, dann schaut man sich nicht die Buchstaben oder die Zeilen an, sondern sieht ein Bild oder hört eine Stimme in sich. Der Buchkörper ist der Weg zu diesem Erleben. Die bewusste Wahrnehmung des Gewichtes, Geruches und der Form werden während des Lesens ausgeblendet, begleiten den Leser aber die ganze Zeit. Bei jedem Umblättern erhält man wieder kurz das Gefühl für die Seite und das Gewicht des Buches, bis man zurückgleitet in das Bild oder die Illusion, die der Text eröffnet. Der Buchkörper ist der Raum, indem man sich bewegt.

Wie entscheidet ihr, welchen Körper das zu gestaltende Buch besitzen wird? In welchem Verhältnis wird der Buchkörper durch Inhalt, Funktonalität und Umsetzbarkeit bestimmt?

Annette Stahmer: Der Inhalt wirkt sich entscheidend bei der Gestaltung aus, ein Gedichtband wird anders gestaltet sein als ein Sachbuch. Ebenso ist die Funktionalität natürlich sehr wíchtig, wenn bspw. ein Kinderbuch gemacht werden soll, versucht man es kleiner und leichter zu gestalten. Das Budget spielt auch eine große Rolle – vor allem bei uns. Im kulturellen Bereich gibt es meistens ein kleines Budget, deswegen machen wir leider auch sehr wenige Hardcover-Bände. Der Inhalt bestimmt den Charakter des Buches, aber dazu gibt es keinen Schlüssel. Ein zeitgenössischer Gedichtband, der mit sprachlichen Versatzstücken arbeitet, kann mit einer Klammerbindung besser gestaltet sein als mit einer Fadenheftung und Hardcover-Bindung.

Achtet ihr dabei auch stark auf den Buchtypus oder ist das sekundär?

André Heers: Wir lösen uns ganz gerne von der Kategorisierung, allerdings bietet es sich bei Symposiumsbänden häufig an, auf Buchtypen zu achten, da darin verschiedene Textformen enthalten sind.
Uns ist der Charakter des Buches sehr wichtig, der immer durch ein Zusammenspiel verschiedener Eigenschaften gebildet wird. Bei der Einschätzung eines fremden Menschen bekommt man schon in fünf bis zehn Sekunden durch dessen Kleidung, Frisur, Accessoires oder seine Art zu sprechen einen ersten Eindruck von dem Charakter dieses Menschen. Ähnlich ist es mit dem Buch auch. Es begegnet dem Leser zunächst völlig fremd, durch seinen Umschlag, sein Gewicht und das Material, seine Typografie und sein Layout wird es jedoch einschätzbar. Alle Faktoren zusammen formen einen komplexen Charakter. Es wäre schade, wenn man nur nach Kategorien gehen würde und bspw. mit einer Grotesk arbeitet, nur weil man ein Sachbuch vor sich hat.

Annette Stahmer: Ein guter Autor entwirft einen vielschichtigen Charakter. Wenn man das aufgreift, ist es eine größere Herausforderung für den Buchgestalter, einen komplexen Charakter mit Widersprüchen zu schaffen. Es ist interessanter, ein Hardcover-Buch zu haben, das mit Leinen bezogen, aber dafür eigentlich viel zu groß und viel zu leicht ist. Auch eine ungewöhnliche Typografie und die Brüche, die daraus entstehen, sind das, was Buchgestaltung interessant machen kann und auch eine Herausforderung für einen Buchgestalter darstellt. Ansonsten würden wir uns ja ständig wiederholen. Das würde die Kultur des Buchgestaltens nicht weiterbringen.

Wie wichtig ist euch das Gewicht eines Buches? Fällt diese Entscheidung früh oder spät im Gestaltungsprozess?

André Heers: Das kann schon ganz früh sein, denn wir entwickeln zunächst einmal eine Vision und dabei spielt das Gewicht eine erhebliche Rolle. Wir stellen uns dann z.B. vor, dass das Buch sehr groß, aber dabei sehr leicht sein muss.

Nach Unesco-Definition sind Bücher gebundene Körper mit mindestens 49 Seiten. Wie sieht bei euch die Buchform aus? Muss sie gebunden sein oder könnt ihr euch auch lose Blattsammlungen, ein Buch als Plakat oder Ähnliches vorstellen?

Annette Stahmer: Für jeden Gestalter, der auf unserem Gebiet arbeitet, sind natürlich alle Randbereiche besonders interessant, d.h. z.B. ein Buch, das fast schon eine Zeitung ist oder auch eine Blattsammlung. Wobei ich sagen muss, dass ich mit aufkommendem Alter die klassische Buchgestaltung immer mehr zu schätzen weiß und sie auch vermehrt anwende.
Design, das sich in den Vordergrund spielt, lenkt den Blick zu sehr von dem Inhalt ab und die Stimme des Buches wird mir zu stark überformt. Auch gerade bei Büchern für Künstler, die selber schon eine visuelle Sprache entwickelt haben, kann es manchmal zu viel sein, wenn der Buchkörper zu stark auf sich weist.

Ihr gestaltet auch Textbücher, die den Ruf haben, lediglich Textcontainer zu sein. Bei euch ist das nicht der Fall?

Annette Stahmer: ‚Textcontainer‘ ist ein schreckliches Wort, weil man nicht an die schöne und sinnliche Verbindung von Papier und Sprache denkt, sondern an Metall, Rost und etwas Hartes. Das Buch ist ein sinnliches Objekt, das ganz wichtig!
Bei der Rezeption findet sehr viel in einem subtilen Bereich statt, denn es macht wirklich einen großen Unterschied aus, ob das Papier bläulich-weiß oder gelblich-weiß ist, ob es ein 2-faches oder ein 1,3-faches Volumen hat. Viele Diskussionen finden in diesen sehr feinen Abstufungen statt und diese Details sind wesentlich für uns. Das hat etwas mit der Kultur des Buches zu tun und dazu passt das Wort ‚Textcontainer‘ nicht.

André Heers: Mit unseren Studenten haben wir Textbücher gestaltet, die sich mit der Sprache verschiedener Autoren auseinandersetzten. Dabei gingen die Studenten von einer klassischen Buchgestaltung aus. Die Aufgabe war, die Typografie neu zu überdenken und eventuell kleine Eingriffe vorzunehmen. Eine Studentin hat beispielsweise kurze Erzählungen von Kafka in Heftform gesetzt. Plötzlich tauchte dabei die Frage auf, wozu man eigentlich Seitenzahlen bräuchte, da sie eigentlich nur stören würden. Indem man etwas so Selbstverständliches wegließ, oder auch in der Inszenierung der Titelei etwas überging, nach hinten stellte oder verlängerte, wurde aus dem Textbuch etwas ganz Besonderes.

Annette Stahmer: Sogar wenn man als Laie sagen würde: ,Hier ist ja eigentlich wenig gestaltet‘, wie bei der schönen, klassischen Buchgestaltung der Bibliothek Suhrkamp, die ich besonders gerne mag, findet Gestaltung statt und zwar in einem subtilen Bereich. Auch die und gerade die ist sehr wichtig. Die Entscheidungen erregen zwar kein Aufsehen, sind aber im Detail wohlüberlegt und so gestaltet, dass sich der Leser ganz der Sprache widmen kann und das nichts diesen Vorgang stört. Das Buch hat eine wunderbare Größe, die gut in der Hand liegt, ein angenehmes Gewicht, ein visuell und haptisch optimales Papier etc. Auch da würde man nie von einem Textcontainer sprechen. Man kann eigentlich überhaupt nie von einem Textcontainer sprechen. Ich würde sogar das Gegenteil behaupten: das Buch ist ein magisches Objekt, ein magischer Körper.
Begriffe wie ‚Textcontainer‘ entspringen einem sehr nüchternen Verständnis von Buchgestaltung. Man sollte aber nicht nüchtern sein, sondern im Gegenteil das Lesen als einen faszinierenden Vorgang betrachten! Die Sprache ist überhaupt ist ein inspirierendes und faszinierendes Gebiet, das auch für uns viel mit poetischen Überlegungen zu tun hat, und das ist genau das Gegenteil von einem Container.

Habt ihr einen eBook-Reader und lest ihr digitale Bücher?

André Heers: Ich bin relativ neophil, was technische Entwicklungen angeht und ich habe mir gleich, als es käuflich zu erwerben war, ein iPad gekauft. Gerade um zu sehen, wie sich Texte und Bücher darauf lesen lassen. Es wurde schnell klar, dass man keine Lust hat, einen Roman darauf zu lesen, dafür ist es zu unsinnlich und hat nicht das richtige Gewicht. Es ist aber ein extrem gutes Instrument für Sach- oder Lehrbücher. Wir haben auch einen Studenten, der ein Schulbuch darauf überträgt, was sehr gut funktioniert. In meinen Augen ist da eine ganz bereichernde, sinnvolle Sache entstanden, aber nicht für Romane. Proust muss man darauf nicht lesen, das macht überhaupt keinen Sinn. Das Instrument bietet auch zu viele Funktionen und das stört die Konzentration, die man als Leser für längere Texte braucht.

Annette Stahmer: Bei mir ist es anders, ich lese nie auf dem Computer längere Texte. Ich würde sie mir immer ausdrucken. Da bin ich sehr konservativ, ich brauche das Gefühl von Papier zwischen den Fingern. Aber André und ich ergänzen uns auch da sehr fruchtbar!