Die fatalen Lettern

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Analyse von gebrochenen Schriften, Charakter und Form
Yasemin Fakili

kriterien im detail

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Beteiligte: 
Fertiggestellt seit: 
März 2014
Betreuung: 
Prof. Sabine an Huef
Abschlussarbeit: 
Exemplar im bl?: 
Nein

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Buchtypen: 
Format (mm):
190 ×
 290 ×
 30 mm
Gewicht: 
1161g
Umfang: 
280 Seiten

Konzept

Schriften sind hochpolitisch — das wurde mir klar, als ich mein Interesse an gebrochenen Schriften entdeckte. Nicht nur über diese wird gestritten, das ist schon klar. Aber doch blieb ich an ihnen hängen. Was mich reizte, war das etwas rostige und mitunter verruchte Image. Die Fraktur, kann man doch eh nicht lesen, wozu
zwei s? Das lange s sieht fast so aus wie das kleine f. B und V kann man schlecht unterscheiden und k und t sind auch fast gleich. Überhaupt, wer will schon mit den alten ‘Nazi-Schriften’ zu tun haben? Erstaunlich ist, wie schnell man doch die Buchstaben lernt zu lesen. Und gräbt man tiefer, so werden die Beschwerden über die schlecht lesbare Antiqua laut. Also alles nur Gewohnheitssache? Glaubt man kaum. Antiqua oder Fraktur? Das wurde fünf Jahrhunderte lang blutig diskutiert. Sie ist verdorben und geschmacklos, hieß es nach Jacob Grimm! Die Fraktur ist das größte künstlerische Werk und darf auf keinen Fall aufgegeben werden, denn dass wäre doch Verrat am Volk! So argumentierte ein Abgeordneter 1911 im Deutschen Reichstag, als der Antrag gestellt wurde, die Antiqua als Amtsschrift einzuführen. Wann hat alles begonnen? Mit Martin Luther, der die Bibel auf deutsch übersetze und nicht die so fatalen lateinischen Lettern, wie Goethes Mutter verlauten ließ, verwendete. Gestritten wurde auf allen Ebenen, war es formal ästhetischer, politischer oder ideologischer Art. Über die Betrachtung der damaligen Diskussionen und der Gestaltungspraxis hinaus war es mir wichtig, einen visuellen Forschungsansatz zu finden. Unter den Gesichtspunkten: Gewicht, Strichführung, Abstände und Grauwert werden 12 Schriften, jeweils drei Schriften einer Schriftgruppe (Textur, Rundgotisch,
Schwabacher, Fraktur) analysiert und verglichen. Die Formvielfalt zwischen
den Schriftgruppen ist groß, aber auch die Vielfalt innerhalb einer Gruppe 
kann auf diese Weise betrachtet werden.

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Buchkennung: 
2014 - 0282