Ein Essay von
Sabine an Huef
Vortrag anlässlich der Veranstaltung
Das buchlabor stellt sich vor ...
In der Reihe: „Wissenschaft trifft Wirtschaft“ am 16. November 2011
am Fachbereich Design der Fachhochschule Dortmund
initiiert von der Wirtschaftsförderung Dortmund
buchlabor?
buchlabor? – “Was ist das denn? Können Sie das mal in zwei Sätzen erklären?” – Nein, können wir nicht und wollen wir auch nicht. Bücher brauchen Zeit und ebenso die Beschäftigung mit eben diesen. Wir im buchlabor beschäftigen uns mit Büchern und nehmen uns dafür die angemessene Zeit und investieren zudem sehr viel Arbeit. Wir lesen, sammeln, fragen, betrachten, kategorisieren, gestalten, produzieren, untersuchen – wir forschen. Forschung, die sich aus dem Anwendungsbezug des Design generiert, nennt man Visuelle Forschung oder Praktische Designforschung. Heißt, wir sprechen hier über Forschungsansätze bzw. Wissensproduktion, die neben der traditionellen akademischen Wissensproduktion auch aus den anwendungsbezogenen und untersuchenden Tätigkeiten des Gestalters heraus entstehen und entwickelt werden. (1)
Im buchlabor arbeitet ein wechselndes Team von Studierenden, Lehrenden und Hilfskräften. Das buchlabor (lat. laborare = arbeiten, leiden, sich abmühen) versteht sich als Experimentierstation und bietet den Raum für praktische und theoretische Arbeitsansätze in einem dynamischen Prozess. Dazu gehört es ebenso eben diesen experimentellen und dynamischen Prozess öffentlich zu kommunizieren und damit zum Diskurs anzuregen.
Neben der klassischen Buchgestaltung gewinnt die Diskussion um das Medium Buch und dessen gestalterischen Ausdruck immer mehr Gewicht. Nicht erst seit der Markteinführung von E-Books, Smartphones und Tablet PC’s gerät das analoge Buch immer mehr in den Fokus der Diskussion, die sicherlich auf der diesjährigen Frankfurter Buchmesse einen neuen Höhepunkt erreichte. Seit den 1990er Jahren, zeitgleich mit der weiten Verbreitung des WorldWideWeb wird das Ende der ,Buchzeit’ prophezeit und wie sich bis heute zeigt, zu unrecht. Das Buch hat bereits mit dem Internet ein Gegenüber bekommen und wenn man diese Tatsache reflektorisch und als Chance betrachtet, dann hat sich der Raum des Buchs maßgeblich erweitert und keinesfalls verengt. Wir betrachten die Erweiterung des Buchs auf verschiedene ,Trägermedien’ als ernstzunehmende Chance, man muss sie nur als solche wahrnehmen und auch ergreifen. Dies bedeutet aber auch zwingend, dass die Diskussion um das Medium Buch niemals vom jeweiligen Inhalt und der daraus generierten Form getrennt betrachtet werden sollte.
In diesem Zusammenhang sei noch der Begriff des ,Laborbuch’ erwähnt, der uns während unserer konzeptionellen Arbeit auch lange Zeit begleitet hat. “Ein Laborbuch ist ein Notizbuch, in dem die Planung, Durchführung und Auswertung von wissenschaftlichen Experimenten dokumentiert wird.” (2)
Ein Institut für Buchforschung (in Gründung)
Bei der Recherche und der konzeptionellen Diskussion um die Findung des buchlabor haben wir lange über eine Begleitzeile bzw. eine erklärende Beschreibung unserer Arbeit nachgedacht. Buchgestaltung, Buchkunst, Buchdesign ...? Gab es bereits alles schon und beschrieb auch nicht wirklich, was uns bewegt hat bzw. womit wir uns beschäftigen wollten. Die Buchgestaltung ist sicherlich eine wichtige Facette unserer Arbeit, ist ja auch klar, da das buchlabor im Fachbereich Design verortet ist. Aber die Buchgestaltung alleine wäre weder den studentischen Arbeiten am Fachbereich und schon gar nicht den Kompetenzen innerhalb der Lehre gerecht geworden. So zeichnet sich die Arbeit an dem Format Buch am Fachbereich oftmals durch die inter- bzw. transdisziplinäre Zusammenarbeit aus. Auch und vor allem ist es Ziel des Instituts, die Klammer von Theorie und Praxis in den Mittelpunkt seiner Arbeit zu stellen.
Im Wörterbuch des Buches von Helmut Hiller und Stephan Füssel (3) recherchierten wir dann den Begriff der ,Buchforschung’, der in eben diesem Wörterbuch auch ausführlich definiert wird. Dabei beschreiben die Autoren die Buchforschung unter vier Aspekten: 1. Das Buch unter materiellen Aspekten, 2. Das Buch als Handelsgegenstand, 3. Das Buch auf historischem Gebiet und 4. Das Buch als Kommunikationsmittel. Die Bezeichnung der Buchforschung ist also weder vom Himmel gefallen, noch handelt es sich hier um eine subjektivistische Definition von ein paar überambitionierten Designstudenten. Gerade in der Unterteilung der vier Themengebiete (die wir im folgenden noch ausführlicher beschrieben, erweitert und spezifiziert haben) finden unsere Inhalte, Ideen und Visionen in ihrem ganzen Umfang ihre Entsprechung.
Materialität / Produktion
Die Untersuchung bzw. die Berücksichtigung von Materialität und Produktion in der Buchforschung umfasst gleichzeitig alle weiteren relevanten Aspekte der Erforschung am Medium. Die Untersuchung des Buches (analog) unter produktionstechnischen und materiellen Gesichtspunkten beschäftigt sich z.B. mit Einbandmaterialien und der Zusammensetzung und Beschaffenheit von Träger- und Druckmaterialien. Weiterhin seien hier alle Materialitäten und Produktionsweisen der weiterverarbeitenden Bereiche der Buchbinderei und Veredelungen zu nennen. Das Buchformat (digital) ist grundsätzlich ebenso auf seine medienimmanenten Produktionsprinzipien und Hard- und Softwarebeschaffenheiten zu reflektieren und zu erforschen. Dieser relative neue und bisher meist unberücksichtigte Teil der Buchproduktion sollte zukünftig besonders untersucht und gefördert werden. Als ein weiterer wichtiger Aspekt der Produktion von Buchmedien sei hier die Thematik der Umwelt- und Sozialverträglichkeit und des nachhaltigen Handelns genannt. Das buchlabor will Forschungsansätze initiieren und Studierende wie Absolventen in ihren Forschungsabsichten unterstützend fördern.
Handel / Distribution
Die Untersuchung des Mediums Buch als Distributions- und Handelsgegenstand ist gerade in der Zeit der Ausbreitung von digitalen Buchmedien ein überaus relevanter und neuer Aspekt in der Buchforschung und des Buchhandels. Der primären Forschung am Medium Buch folgen hier auch Untersuchungen und das Studium von Marketingstrategien im Buch- und Verlagswesen. Ebenso eröffnen die neuartigen Entwicklungen der Buchdistribution durch analoge und digitale Netzwerke eigenständige und innovative Möglichkeiten des Studiums bzw. des aktiven Handels mit dem Buch. Der Buchhandel hat sich durch die digitalen Medien (web 2.0) ebenso nachhaltig verändert, wie durch den Handel mit immateriellen, digitalen Buchformen. Gerade für Kleinauflagen und studentische Buchformate und ebenso für die Verbreitung derselben bedeuten diese veränderten Distributionsformen eine zukunftsweisende Diskussion.
Geschichte / Wissenschaft
Die Buchforschung beschäftigt sich mit dem Medium Buch in unterschiedlichen Ansätzen, von denen der historische eine wesentliche Relevanz hat. Die Geschichte des Buches und die mediale und wissenschaftliche Auseinandersetzung mit eben dieser, ist hier der Schwerpunkt der Untersuchung. Thematik kann ebenso der mediale Diskurs unter historischen Gesichtspunkten sein wie die Erforschung der vielfältigen Standpunkte der verschiedenen Persönlichkeiten in der geschichtlichen Entwicklung des Buches. Gerade der Aspekt der theoretischen und historischen Untersuchung des Mediums ist grundlegender Bestandteil jeglicher relevanter buchgestalterischer Tätigkeit und Auseinandersetzung. Ebenso beinhaltet die historische und wissenschaftliche Auseinandersetzung um das Medium in seiner analogen und digitalen Form selbstverständlich auch dessen Herstellung und Materialität.
Kommunikation / Gestaltung
Die Gestaltung und die Beschäftigung mit dem Buch als Kommunikationsmedium ist eines der klassischen Themen im Designstudium. Auch hier fließen alle o. g. Aspekte der Buchforschung selbstverständlich und unbedingt ein. Das buchlabor will hier einen klaren Forschungs- und Lehrschwerpunkt im Fachbereich formulieren. Dies betrifft auch und vor allem die digitale Erscheinung des Buches (E-Book, Applikationen, das Buch im Gebrauch des Tablet PC’s etc.), denn hier wird in der Gestaltung und deren Untersuchung (Typografie, Lesbarkeitsstudien, Bildadaptionen etc.) Pionierarbeit zu leisten sein. Das buchlabor will die Buchgestaltung als Ausdruck inhaltlicher und kommunikativer Absichten fördern und deren medienspezifische Visualisierung unterstützen und in das Zentrum des Interesses rücken. Das formulierte Ziel des buchlabor ist die Förderung einer inhaltlich initiierten Buchgestaltung mit fließenden Grenzen zwischen Autorschaft und Gestalterpersönlichkeit.
Forschungsprojekte im buchlabor
Die Forschungsprojekte im buchlabor gliedern sich in drei Bereiche. 1. Der Aufbau des Archivs (analog / digital) von studentischen Projekten unter Berücksichtigung eines umfassenden Kriterienkataloges, 2. Forschungs- und Kooperationsprojekte initiiert von Lehrenden und 3. Forschungsprojekte von Studierenden und deren Förderung.
Das Archiv
Der Aufbau des Archivs (analog / digital) von studentischen Projekten stellt das relevante Alleinstellungsmerkmal des buchlabor dar. Ziel ist es die gesamten studentischen Buchmedien (auch historisch) zu erfassen und unter Berücksichtigung eines umfassenden Kriterienkataloges zu archivieren. In einem Semester entstehen im Fachbereich Design momentan ca. 30 bis 40 Buchprojekte, die es pro Semester zu erfassen gilt. Das heißt konkret, das Buchprojekt wird fotografisch und schriftlich dokumentiert und durch einen umfassenden Kriterienkatalog (z. Zt. ca. 130 Kriterien) beschrieben. Der Kriterienkatalog umfasst die Themen der Buchforschung wie die detaillierte Beschreibung von Genre, Inhalt, Vermaßung, Material, Verarbeitung, Produktion, Gestaltung und technischen Daten. Damit wird das digitale Archiv in Form einer strukturierten Datenbank für Lehre und Forschung nutzbar gemacht und stellt für den Austausch mit anderen Hochschulen und der Öffentlichkeit, den Hauptteil der Internetpräsenz des buchlabor dar. Darüber hinaus bildet das digitale Archiv die Grundlage für die angewandte Designforschung am Fachbereich.
Das analoge Archiv wird der Öffentlichkeit in Form eines Studienraumes im buchlabor zur Verfügung gestellt. Die so wichtigen Aspekte der Haptik, der Benutzung, des Geruchs und Klanges von Büchern können nur durch das reale Greifen und Blättern eben solcher mit allen Sinnen erfasst werden. Da die Studierenden in Zukunft berücksichtigen sollen, dass dem Institut ein Exemplar ihres Buches möglichst dauerhaft zur Verfügung gestellt wird, steht das buchlabor schon mit der Bibliothek im Kontakt, um sich die Kenntnisse der dauerhaft sicheren Archivierung des Mediums Buch anzueignen.
Mit der institutionellen Archivarbeit wird der kreative Raum für studentische Arbeiten nicht beschränkt, jedoch durch die wichtigen Aspekte der Publizierung und der Bewahrung von gestalterischen Werken ergänzt. Buchprojekte verlassen nicht am Ende des Semesters oder Studiums undokumentiert und zusammen mit ihren Urhebern den Fachbereich. Stattdessen werden die als wahre Schätze zu sehenden Arbeiten nach archivarischem Wissen aufbewahrt, was in mittel- und langfristiger Zukunft aussagefähige Rückschlüsse auf die Arbeiten am Fachbereich Design zulassen wird.Die Betreuung des Studienraumes, die Pflege des Archivs und die Organisation der Bücher werden durch studentische Hilfskräfte geleistet, die von der Fachschaft (fasta) des Fachbereichs sowie durch die hochschulinterne Forschungsförderung (HIFF) der Fachhochschule Dortmund finanziert werden.
Das umfassende und wissenschaftlich aufgearbeitete Archiv buchmedialer studentischer Projekte stellt ein Alleinstellungsmerkmal und einen Forschungsschwerpunkt des Fachbereichs Design der Fachhochschule Dortmund dar.
Forschungs- und Kooperationsprojekte initiiert von Lehrenden (Stand: November 2011)
Das buchlabor hat seine Arbeit innerhalb des Fachbereichs im September 2010 aufgenommen und hat sich mit der erstmaligen Präsentation von ca. 50 studentischen Buchprojekten auf der Leipziger Buchmesse im März 2011 und der darauf folgenden Ausstellung im Künstlerhaus Dortmund im April 2011 einer breiten Öffentlichkeit präsentiert. Die Wahrnehmung und die Resonanz der Marke buchlabor ist äußerst prägnant und erfolgreich. Daraus ergeben sich interne Forschungsvorhaben einzelner Lehrender ebenso wie internationale Kooperationen mit Hochschulpartnern. Wir stellen hier zwei Projekte kurz und exemplarisch vor:
Das Forschungsprojekt Librophilie und Librophobie. Lust und Angst von Lektüreformaten unter der Projektleitung von Prof. Dr. Ralf Bohn (Lehrgebiet: Medienwissenschaften) widmet sich der Frage, inwiefern das Buch als konventionelles Objekt der Schriftinszenierung und der Präsentation von Gestaltungsergebnissen mit den modernen (digitalen) ,Texturen’ Schritt halten kann und inwiefern sich einerseits ein „Fetischismus des Buches“, andererseits eine „Angst vor dem Buch“ in der Buchgestaltung als Inszenierung von Texten und Narrationen moderieren lässt. Die Resonanz unterschiedlicher Narrationen und Lektüren, d. h. Inszenierungsstrategien ausgehend vom Universalmedium Buch und seiner Referenzen sollen durch Autoren (Texter, Schriftsteller und Buchgestalter) befragt werden.
Bücher nehmen einen großen Teil der Präsentationsformen von Seminar- und Abschlussarbeiten ein. Das Buch verbürgt Autorität, denn Texte im Internet werden z. Zt. mehr und mehr diskreditiert. Warum hat es das Buch in der Lehre trotzdem immer schwerer, warum werden Lehrbücher immer mehr von performativen Lehrprogrammen ersetzt? Wieso sind Ergebnisse und Reflexionen aber stets noch im Buch präsent?
An der Schnittstelle zwischen performativer Inszenierung als narrativer Strategie und dem „traditionellen Buchkörper“ wird klar, dass auch das Buch eine körperdisziplinierende Inszenierungsform darstellt, die jedoch in hohem Maße konventionalisiert ist und als Inszenierungsform allererst wieder ins Bewusstsein gerückt werden muss. Nachdem dem linguistic turn, der sich vor allem den Diskursinhalten gewidmet hat, ist es gerade der performative turn, der das Buch als Kult- und Gebrauchsgegenstand in vergleichendem Wettbewerb mit den höher technisierten Diskursmedien bewertet.Das internationale Forschungsprojekt Phonograph unter der Leitung von Prof. Sabine an Huef (Lehrgebiet: Typografie und Buchgestaltung) in Kooperation mit der Kyoto Saga Art University und der FH Düsseldorf untersucht neue Designentwicklungen hinsichtlich der Bereiche Wort, Sound und Design – Text als multimediales Interface.
Wort, Sound und Design – Text als multimediales Interface (Sound und Design in Bezug auf Sprache und Schrift) haben sich bisher getrennt voneinander medial entwickelt. Durch mediale Inszenierungen in Ausstellungen, auf Messen und durch das elektronische Publizieren z.B. durch das ipad, gelangen diese Medienformate wieder zusammen und müssen neu aufeinander synchronisiert werden.
Ziel ist es, die Ausstellung Phonograph im Dortmunder U im September 2012, (später auch in Europa) zu zeigen und in experimentellen Buchformaten darzustellen und zu dokumentieren. Forschungsinteresse des buchlabor ist die visuelle Erforschung der Möglichkeiten zur Dokumentation und Publizität der multimedialen Inhalte in experimentellen Buchformaten (analog / digital). Das Projekt will die Aktivitäten, die durch die Arbeit des buchlabor im letzten Jahr erfolgreich begonnen wurden, intensivieren und in diesem inter- und transdisziplinären Projekt weiterführen. Darüber hinaus wird der Forschungsschwerpunkt des buchlabor zum einen um die digitale Buchforschung (E-book, Applikation etc.) erweitert und zum anderen um die Thematik der multimedialen Darstellungsformen im Medium Buch (analog / digital) von Wort, Sound und Grafik ergänzt. Die geplanten Buchformate formulieren und visualisieren die Forschungsinhalte des internationalen Projekts und stellen diese der Öffentlichkeit und der Hochschule zur Verfügung.
Forschungsprojekte von Studierenden
Das Buch als Körper, Arne Sonnabend, Bachelorarbeit (im Prozess)
Arne Sonnabend untersucht in seiner Bachelorarbeit den Körper des Buches. Das Medium Buch wird nicht nur durch seinen Inhallt und seine Gestaltung definiert, sondern auch durch seine Objekthaftigkeit. Neben dem Format (Höhe x Breite von Einzel- und Doppelseite) definiert auch die räumliche und damit dritte Dimension eine äußerst relevante Bedeutung für die Erscheinung und die Handhabung des Mediums Buch. Sonnabends Untersuchung stützt sich auf zwei Forschungsansätze, zum einen führt er Gespräche und Interviews mit Persönlichkeiten der Buchgestaltung und –wissenschaft und zum anderen untersucht und sammelt er Daten von Buchkörpern verschiedener Buchgenre und wertet diese aus. Ziel seiner Arbeit ist es, den angehenden Buchgestalter und Verleger für diese Thematik zu sensibilisieren und den Buchkörper in den Mittelpunkt des Interesses und der gestalterischen Überlegungen zu rücken.
Untersuchung zu Darstellungsmöglichkeiten von multimedialen und dynamischen Inhalten als Applikation am Thema Lehrbuch, Jonas Herfurt und Fabian Köper, Seminararbeit, (im Prozess)
In der hektischen und zum Teil unreflektierten Diskussion um das „sterbende analoge Buch“, geht oft die Tatsache unter, dass die neuen (digitalen) Buchformate dem Gestalter einen ganzen Kosmos neuer und visionärer Möglichkeiten bereitstellen. Diese gilt es jetzt gründlich und umfassend zu erforschen und auszuschöpfen.
Ausgehend von der Frage welchen Inhalt multimediale und dynamische Medien am besten unterstützen, wird im Zuge der Untersuchung ein Fototechnik Lehrbuch für Tablet-Computer wie das ipad konzipiert. Neben der Strukturierung und Aufbereitung der Inhalte – im Fokus steht hierbei die Erarbeitung interaktiver Lehrmaterialien – ist die Grundlagenarbeit entscheidend für das Forschungsprojekt.
Die Entwicklung des eigentlichen Buchkonzeptes geht einher mit der Analyse bestehender digitale Bücher und Magazine. Navigationsstrukturen und die Einbindung unterschiedlicher Medientypen und Interaktionsmöglichkeiten sind hierbei von besonderem Interesse.
Z.B. – Zum Buch, Robert Börsting, Diplomarbeit 2011
Buch, 192 Seiten, Größe: 190 x 190 x 176mm, Gewicht: 618g
Börstings Buch befasst sich mit dem Ausgangspunkt eines jeden Buchgestaltungsprozesses: seinem Inhalt. Es sensibilisiert den Blick angehender Gestalter auf das Ausgangsmaterial und hilft dabei das Potenzial freizulegen, welches im Inhalt bereits zu großen Teilen existiert. Es ist wichtig zu verstehen, dass Bücher keine Container für Bild- und Textmaterial sind. Sie sind vielmehr deren Verkörperung.
Das vorliegende Buch umfasst die wichtigsten grundlegenden Systematiken der Buchgestaltung. Es zeigt Eigenschaften verschiedener Buchtypen, gestalterische Mittel und Erzählstrategien, derer sich ein Gestalter bei der Konzeption des Mediums bedienen kann. Dabei will es nicht Lehrbuch, sondern Leitfaden, nicht Bauplan, sondern Methodik für ein Grundgerüst sein. Neben dem Vor- und Nachwort beschreibt und visualisiert Robert Börsting in drei Kapiteln die Themen: Form, Raum, Redaktion, Layout / Raster, Materialität und Dramaturgie in seiner eigenen individuellen und adäquaten Sprachlichkeit.
Z.B. – Zum Buch
Buch: 190 x 190 x 176 mm,
Buchblock: 190 x 252 x 171 mm,
192 Seiten,
Gewicht: 618 g
Einsweiter – Nachhaltiges Grafikdesign, Jana Pechan, Diplomarbeit 2010
Die „Grüne Welle“ hat inzwischen auch die Kreativbranche erfasst, jedoch scheint die Vielzahl an Siegeln, Zertifikaten und vermeintlich ökologischen Alternativen mehr Verwirrung als Aufklärung zu stiften. Um Grafikdesign tatsächlich nachhaltig umzusetzen, bedarf es eines ganzheitlichen Blicks auf das komplexe Thema. Dieses Handbuch für Grafikdesigner und alle (Eco)Design-Interessierten gibt einen Überblick über derzeitige Möglichkeiten und Maßnahmen und bietet somit die Grundlage für die Entwicklung von nachhaltigen Strategien im Grafikdesign. Darüber hinaus bieten ein Literaturverzeichnis sowie Adressen, Internetseiten und Links weitergehende Informationsmöglichkeiten. In fünf Kapiteln beschreibt, dokumentiert und illustriert Jana Pechan die umfangreich recherchierte Thematik in einem äußerst anspruchsvollen und vielschichtigen Layout. So führt Sie Text, Informationsgrafiken, Tabellen, Illustrationen, Fotografien und Zitate zu einem überzeugenden und nachhaltigen Buchobjekt zusammen. Umfang 180 Seiten, Format 210 x 285 mm, Preise und Auszeichnungen: Vida Paper Junior Award, DDC Award in der Kategorie Zukunft. Diese Arbeit wird gerade im Niggli Verlag für Typografie, Architektur, Design und Kunst, Sulgen, produziert.
Einsweiter – Nachhaltiges Grafikdesign
Buch: 215 × 290 × 188 mm,
Buchblock: 210 × 285 × 124 mm,
180 Seiten,
Gewicht: 954 g
Monolog – Entscheidungsfindungen zur Buchgestaltung, Sebastian Emmel, Diplomarbeit 2009
(realisiert 2010 im Niggli Verlag, Sulgen)
Monolog ist ein Buch, das seinen eigenen Entstehungsprozess beschreibt und dokumentiert. Es beginnt rein handschriftlich mit der Definition des Konzeptes und setzt sich über die diversen Arbeitsschritte wie Formatfindung, Satzspiegelkonstruktion und Typografie bis hin zur produktionstechnischen Umsetzbarkeit fort. Der Leser begleitet sozusagen ,live’ von Seite zu Seite die Entwicklung des Buches, das er gerade liest. Monolog ist der Versuch, die unendlich vielen Möglichkeiten und Entscheidungsfindungen auf dem Weg zur endgültigen Gestaltung nachvollziehbar zu visualisieren. Dieser Weg besteht aus vielen Irrtümern und Sackgassen, Regeln und Vorschriften, Rückschritten und diversen alternativen Lösungsansätzen, die in diesem Buch vorgestellt werden. Sebastian Emmel formuliert und visualisiert individuell und höchst überzeugend seinen eigenen Monolog zwischen experimenteller und zugleich konzeptioneller Buchgestaltung.
Monolog – Entscheidungsfindungen zur Buchgestaltung
Buch: 219 × 290 × 32,1 mm
Buchblock: 208 × 280 × 18,8 mm
202 Seiten
Gewicht: 1096 g
Aussicht
Eines der dezidiert formulierten Ziele des buchlabor ist es, die Klammer theoretischer und praktischer Gestaltungsarbeit in den buchmedialen Kriterien des Bildes und nachgeordnet auch Text und Dramaturgie als Gestaltungseinheit zu schließen. Vor allem die Entwicklungen neuer grafischer Techniken, Formate und Inhalte sollen in Lehre und Forschung am Fachbereich erkannt, entwickelt und genutzt werden. Das Institut für Buchforschung (in Gründung) will an den Entwicklungen visionär mitwirken und diese zu einem Forschungs- und Lehrschwerpunkt ausbauen. Hierzu wünschen wir uns Anregungen, Diskussionen und vor allem Partner zur Unterstützung. Wir verstehen die Verbindung von Wissenschaft und Wirtschaft ebenso wie die synergetischen Effekte aus Theorie und Praxis als ein innovatives und nachhaltiges Modell der Visuellen Forschung und ihrer Anwendbarkeit.
(1)
Claudia Mareis, Gesche Joost, Kora Kimpel (Hg.) Entwerfen – Wissen – Produzieren,
Designforschung im Anwendungskontext,
Transcript Verlag Bielefeld, 2010(2)
Aus der Definition von Laborjournal / Laborbuch
aus Wikipedia – Die freie Enzyklopädie(3)
Stephan Füssel, Helmut Hiller (Hg.)
Wörterbuch des Buches,
6. Auflage,
Vittorio Klostermann Verlag, Frankfurt am Main 2002






































